Interview mit Heiko Seibel- Portfolio-Manager


"Ich bin ein mechanischer Trader"



Interview mit einer Börsen-Maschine: Die Kunst des mechanischen Tradings
Er hat Wirtschaftswissenschaften studiert und ist Portfoliomanager bei Vermögensverwalter CM-Equity AG & Co. KG Financial Services in München. Heiko Seibel, fühlt sich des mechanischen Tradings zugehörig. Seit über 15 Jahren entwickelt Herr Seibel Trading-und Investmentsstrategien auf der Basis technischer, quantitativer und zyklischer Modelle. Sieben Fragen, sieben Antworten bei den Heiko Seibel uns verrät was es mit mechanischen Trading im Finanzmarkt auf sich hat.


  • Welchen Ansatz beim Trading verfolgen Sie Herr Seibel?
Ich bin weitgehend ein mechanischer Trader, das bedeutet nicht viel mehr als; meine Signale erhalte ich mittels Modellen, welche auf der Statistik beziehungsweise technischen Analysen basieren. Fundamentaldaten berücksichtige ich nur insoweit, als ich bei bestimmten Events zum Beispiel Notenbanksitzungen nicht handele.


  • Mechanischer Trader? Das müssen Sie uns unbedingt etwas näher erläutern..
Natürlich, gerne. Mein Handelsansatz unterteile ich in drei Teile:
  1. Die Identifikation: Ich identifiziere Setups, das sind allgemeine Rahmenbedingungen, die Hinweise auf eine bestimmte Marktrichtung geben. Hier verwende ich zum Beispiel zyklische Daten, saisonale Muster, Intermarket Relationen, Marktbreitedaten und selbstverständlich noch die Volatillitätsentwicklung.
  2. Die Analyse: Ich analysiere den Chart, suche nach Patterns und als Hilfsmittel nehme ich mir ein oder zwei Indikatoren dazu.
  3. Die Suche: Im dritten Teil suche ich den optimalen Einstiegstrigger, wie zum Beispiel einen Range-oder Opening-Breakout. Jedes Signal untersuche ich mittels Korrelationsanalysen beziehungsweise Backtests auf seine historische Profitabilität. Wenn man das nicht tut, spielt man meines erachtens nur.

  • Welche Techniken- Charttechnik, Indikatoren etc. - benutzen Sie dabei?

Mein Erfolg liegt in den Setups, auf welchen ich oben kurz schon einmal eingegangen war, und natürlich deren Auswertungen. Um ehrlich zu sein, ich persönlich halte die reine Charttechnik für Kaffeesatzleserei- sie basiert auf subjektiven Einschätzungen und lässt sich nur schwer bis garnicht objektiv bewerten. Daher verwende ich, nur Basismuster, welche sich auch programieren lassen. Ein "Reversal-Day" lässt sich zum Beispiel leicht beschreiben und auch testen:"Der Markt befindet sich oberhalb der Zehntage-Durchschnittslinie, markiert ein neues Zehn-Tages-Hoch, schließt aber darunter und zudem maximal 20 Prozent vom tagestief entfernt. Das Volumen ist höher als gestern." Auch bei den Indikatoren geht es bei mir weniger kompliziert zur Sache. Ich verwende einen Trendfolge- und einen Dynamik-Indikator, allerdings mit dynamischen Parametereinstellungen, die sich nach dem aktuell dominierenden Zyklus errechnen.


  • Wann haben Sie mit dem Traden begonnen?
Angefangen habe ich mit dem handeln von Wertpapieren wie zum Beispiel Aktien, das war 1997. Derivate, insbesondere Futures, handele ich seit rund 10 Jahren.


  •  Verraten Sie uns doch: Welche Märkte traden Sie?
Ich handele nur Märkte, die mehr oder weniger rund um die Uhr geöffnet sind, also Aktienindizies, Zinsen, Währungen und Rohstoffe. Da ich nur gehebelte Instrumente handele, sind mir die Risiken in der Handelsfreien Zeit zu hoch, Über das Wochenende versuche ich, keine Position zu halten.


  • Mit welchen Finanzprodukten handeln Sie?
Ich handele überwiegend Futures und CFDs. Manchmal auch ETFs und natürlich Hebelzertifikate.


  • Was ist bei Trading und Handeln an der Börse Ihrer Meinung nach undbedingt zu beachten? 

Ganz wichtig ist, der Tradingstil muss zur eigenen Persönlichkeit passen. Es macht keinen Sinn, trendfolgend zu handeln, wenn man die Drawdownphasen- die es bei Trends nunmal gibt - psychologisch nicht verträgt. Außerdem gehen viele Trader nach dem Schrotflintenprinzip vor. Sie versuchen, alles Mögliche zu handeln. Aber das geht ziemlich sicher schief, weil kaum ein Tradingprinzip so universell ist, dass man es auf jeden nur erdenklichen Markt übertragen kann. Der Erfolg liegt definitiv in der Fokussierung. Ich würde mir Nischen suchen und dort expertise entwickeln. Eine Nische kann zum Beispiel sein, dass man als Daytrader den DAX nur zwischen acht und neun Uhr in der Früh handelt. Wenn sie alles über Ihre Nische wissen und erfolgreich sind, suchen Sie die nächste Herausforderung.


  • Ähnlicher Artikel: Was raten Sie Tradinganfängern? Welche Regeln sollten unebdingt beim Trading oder Aktienhandel beachtet werden?  Quelle: Heiko Seibel im Auftrag von rbs




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